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christine61

unregistriert

1

Samstag, 3. Januar 2009, 12:17

Gedanken zur Winterstarre

Da immer wieder und sehr hartnäckig die Winterstarre für Schlüpflinge der Europäischen Landschildkröten im ersten Lebensjahr angezweifelt wird und gerade bei „Anfängern“ nicht durchgeführt wird, möchte ich nun meine ganz persönlichen Erfahrungen weitergeben:



Ich selber habe, wie früher üblich meine Schlüpflinge mit viel aufwendiger und kostspieliger Technik im Terrarium über den Winter gebracht. Im Frühjahr, spätestens als ich die kleinen in das Frühbeet gegeben hab versuchten diese die fehlende Winterstarre nachzuholen. Sie kamen aus ihren Verstecken nicht mehr heraus, fraßen nichts und ruhten bei viel zu warmen Temperaturen. Als es dann endlich richtig Sommer wurde und die Tiere auf touren kamen, waren sie oft ausgezerrt, aus heutiger Sicht würde ich sagen, fast verhungert.

Oft hatte ich Probleme mit zu weichen Panzern, trotzt UV Lampen und Kalziumgaben. Damals streute ich das Pulver noch übers Futter. Die Panzererweichung begann meistens im März und ich kämpfte damit bis in den Sommer, da wurden sie dann endlich wieder härter, blieben aber leider oft nach hinten abgefallen. Die Tiere waren, trotz richtiger Ernährung (darauf achtete ich auch schon vor 15 Jahren) viel zu groß für ihr alter. Mit Höckerbildung hatte ich so gut wie nie Probleme.

Im Frühling verlor ich meistens zwei bis drei Schlüpflinge (von etwa 20 Nachzuchten) ohne erkennbaren Grund. Ich schob das auf eine natürliche Auslese.



Heute werden bei mir alle THB eingewintert. Auch die Schlüpflinge bereiten sich im Frühbeet vor. Sie überwintern aber, im Gegensatz zu meinen adulten Tieren nicht im Frühbeet, sondern in großen Kisten im kalten Keller.

Den einzigen unterschied, zu dem ich mich doch noch hinreißen lasse ist, dass ich die ganz jungen bereits nach 14 Wochen aufwachen lasse. Die pflege ich dann noch kurze Zeit in einem entsprechendem Holzterrarium, dort kann ich die Tiere auch noch viel besser beobachten und ihren Gesundheitszustand beurteilen, bevor ich sich in das mit Beikräutern überwucherte Kindergehege im Garten setze. Dort sehe ich selten alle gleichzeitig.

Seit ich meine Jungtiere so halte, und das sind jetzt doch schon einige Jährchen, habe ich keine Probleme mit weichen Panzern oder aus gezerrten Tieren. Auch habe ich seitdem keine Ausfälle mehr.

Schwierig ist es natürlich für diejenigen, die ihre Schildkröte(n) zu einer Zeit bekommen haben, in der sich diese Tiere eigentlich auf die Hibernation vorbereiten sollten. Zum einen kennen diejenigen ihre Tiere noch gar nicht und können den Gesundheitszustand der Tiere auch entsprechend nicht beurteilen, zum anderen neigen wir Mensche zu sehr alles mit unseren Augen zu betrachten. Ein Reptil ist aber nun einmal ein Reptil und selbst wenn sich das Tier entscheiden könnte, ob es in der Kälte starren will oder lieber in der Wärme den Winter überdauern möchte, so wird sich diese Schildkrötenart ganz bestimmt für die natürliche Winterstarre entscheiden.

Z.B. haben die vielen Zauneidechsen, die im Sommer meinen Garten beleben und auch gerne durch einen Türspalt in meine Werkstatt kommen, durchaus die Möglichkeit, sich im Herbst für meine warme Werkstatt zu entscheiden. Sie aber entscheiden sich immer alle für eine Starre im Freien und im Frühling sind sie wieder da, wie meine gepanzerten Reptilien auch.



Lg

christine

Der Inhalt dieses Beitrags spiegelt lediglich die Meinung des Benutzers christine61 verfasst am Samstag, 3. Januar 2009, 12:17 Uhr wider, nicht aber die der Forenbetreiber, Administratoren und Moderatoren des Forums, welche sich hiermit ausdrücklich von diesem Beitrag distanzieren. Sollte dieser Beitrag Ihre Rechte verletzen bitten wir um Benachrichtigung


2

Samstag, 3. Januar 2009, 15:16

hallo Christine,

Zitat

zum anderen neigen wir Mensche zu sehr alles mit unseren Augen zu betrachten.

... und mit unseren Gefühlen!! Wir frieren nun mal, wenn es im Winter kalt ist, SK können nicht frieren! Wir packen unsere Menschenbabys bei Minusgraden besonders dick ein, wenns nach draußen geht, und beziehen das auf unsere SK-Babys, indem wir denken, sie sind auch empfindlicher als adulte Tiere.

Ich bin froh, dass schon viele Schildkrötenhalter vor mir NZ hatten und die Erfahrungen mit nicht gehaltenen Starren machen mussten. So hab ich aus euren Erfahrungen lernen können, und meine NZ von Anfang an starren lassen.

meine adulten Tiere hatte ich früher auch immer übergangsweise im terra, zur Vorbereitung und in der Aufwachphase. Seit sie diese zeit im Frühbeet/Gewächshaus verbringen dürfen, und sich selbst vorbereiten, haben ich und meine Kröten weniger Stress.

Meine Schlüpflinge lasse ich nach der Starre genau wie du auch zuerst noch im Holzterra, bis ich seh, dass alle fressen und trinken (ca. 2/3 Wochen), dann gehts ins Frühbeet. Dieses Holzterra steht in einem unbeheizten Anbau, sodass ich die Temperaturen dort allein für meine Kröten regeln kann, so wie sie es brauchen.

2007 hatte ich unter meinen Schlüpflingen ein Mickerchen, es wog beim Schlupf 14gr., bei Starrebeginn 15gr., war total flach gewachsen, keine Zuwachszeichen, sah aus wie gerade erst geschlüpft. Es fraß aber gut, war genauso munter wie alle anderen. Mit Absprache des Tierarztes gab ich es trotzdem mit den anderen in die Starre. Der Tierarzt vermutete eine Stoffwechselstörung und war sich auch nicht sicher, ob das Krötchen es schaffen würde. Im frühjahr wachte es mitb allen anderen wieder auf, war putzmunter, heute sieht man keinen Unterschied mehr zu seinen Geschwistern. Ich weiß nicht, ob ich es durchgebracht hätte, allein in einem Terra, ohne Starre!

LG Ulrike

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3

Sonntag, 4. Januar 2009, 16:11

Hallo zusammen.

Ich habe meine 3 kleinen Griechen (Nz07) auch mit "nur" 2-3gr. mehr als das Schlupfgewicht betrug eingewintert. Nach 6 Wochen ließ ich sie wider aufwachen.
Diesen Winter werde ich sie länger im Kühlschrank lassen. Sie haben nämlich letzten Sommer sehr schnell an Gewicht zugelegt. Ihr Gehege war 3m² groß, was sie auch, nach nur kurzer Zeit, komplett abgegraßt hatten.

Die richtige Überwinterungstemperatur ist meiner Meinung auch wichtig.
Im Winter 07/08 (erste Starre) hatte ich die Kleinen immer im Kühlschrank. Darin ist die Temperatur auf konstant 6,8C°. Die Drei waren aber irgendwie unruhig.
Um sie wärend der Silvesterfeier nicht "aufzuwecken", stelle ich sie am 30.12 in den Schuppen. Zu dieser Zeit hatten wir darin ca. 2,5°C. Nach 2 Tagen bewegten sie sich dann überhaupt nicht mehr. Wie es aussieht geht es ihnen bei den Temperaturen besser.

Heuer habe ich sie auch Anfangs in den Schuppengestellt. Zur Zeit ist es aber deutlich zu kallt(in der nacht -12°C), weshalb Ich die Kiste doch wider in den Kühlschrank gestellt habe.

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PetraM

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Sonntag, 4. Januar 2009, 16:28

Hallo zusammen,
vor 3 Jahren, am Nikolaustag, übernahm ich ein 11 Jähriges Graeca Weibchen Liesl) . Sie hatte noch nie in ihrem traurigen Leben eine Winterstarre halten dürfen :(
leider war sie 2006 stark verwurmt und die Starre musste deshalb nochmals ausfallen!
Sie tat mir sooo leid, alle ihre Kumpels waren in der Winterstarre, nur sie mußte (gegen ihren Willen, davon bin ich überzeugt) den Winter im Übergangsgehege überstehen. Manchmal habe ich ihr den Frust richtig angesehen ;) ) nein, im Ernst, sie war oft so richtig lustlos und das Fressen schmeckte ihr auch nicht sonderich (immer nur Salat war nämlich nicht drin !).
Im Gegensatz zu den anderen Graecas, die starren durften, war sie im Frühling lange nicht so agil und munter - eben NICHT AUSGERUHT !

Seit nunmehr 2 Jahren darf sie in die Starre und sie wußte von Anfang an, wie es funktioniert und im Fühling ist unsere Liesl eine der ersten Damen, die im Freigehege putzmunter unterwegs sind!

Und dieses Jahr habe ich meine Testudo hermanni boettgeri Nachzuchten mit 8g (Schlupfgewicht 7g) eingewintert, weil ich der vollen Überzeugung bin, dass sie in der Natur wie die Großen ihre Winterstarre halten würden.
Ich kenne keine Tierschützer, die in Griechenland, oder der Türkei Schlüfplinge einsammeln und sie im Winter in Terrarien überwintern

Aber! NUR GESUNDE Tiere sollen Winterstarre halten - Kranke Tiere müssen behandelt und den Winter über agil gehalten werden!

Liebe Grüße Petra
Signatur von »PetraM«
Wer alle Ziele erreicht hat, hat sie nicht hoch genug gesteckt!

christine61

unregistriert

5

Sonntag, 4. Januar 2009, 16:49

Hallo Petra und alle Anderen!

Solch eine Erfahrung habe ich im vergangenen Winter auch gemacht. Da übernahm ich im Herbst ein Männchen. Er war stark verwurmt, kam kaum auf Touren im Holzterrarium und ich kämpfte fast die ganze Zeit um sein Leben. Im Frühjahr stellte man dann Diabetes fest. Ich war ziemlich verzweifelt. Im Sommer fand ich einen wirklich guten Platz für ihn, da mir geraten wurde, ihn besser nicht zu vergesellschaften. Unter der liebevollen Pflege der Frau, die ihn übernommen hatte, blühte der Kerl richtig auf. Jetzt ist er in der Winterstarre, wie es sich für eine anständige Griechische Schildkröte gehört.
Nachdem sich seine Blutwerte deutlich verbessert haben, wird er auch sicher nicht in Einzelhaft bleiben müssen.


Das Fünfjährige Männchen, das ich heuer im Herbst übernommen habe starrt bereits bei etwa 4°C vor sich hin. Obwohl es für ihn das erste Mal ist, wusste er sofort was er tun soll.
Österreichische Addressen von Schildkrötenhaltern


lg

christine

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