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Beiträge: 29

Vorname: Adalie

Arten: Chinesische Dreikielschildkröte

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Samstag, 14. Februar 2015, 22:52

Chinesische Dreikielschildkröte (Mauremys reevesii)

Steckbrief "Chinesische Dreikielschildkröte"

Latein:
Mauremys reevesii (Familie: Altwelt-Sumpfschildkröten) (früher Chinemys reevesii).

Inhalt:
1. Schutzstatus
2. Größe
3. Beschreibung
4. Geschlechtsunterschiede
5. Verbreitung
6. Lebensraum
7. Lebensweise
8. Verhalten
9. Fortpflanzung
10. Haltung
11. Ernährung
12. Überwinterung


1. Schutzstatus: In der EU ist die Chinesische Dreikielschildkröte ohne Schutzstatus und kann somit ohne Nachweis in Deutschland frei gehandelt werden. Aufgrund der Verwendung der Schildkröten im Lebensmittelbereich gehen die Wildbestände im asiatischen Raum deutlich zurück. Mittlerweile befindet sich die Chinesische Dreikielschildkröte im Anhang III des Washingtoner Artenschutzabkommens. Für jede Einfuhr in die Europäische Gemeinschaft müssen deshalb Ausfuhrdokumente und Einfuhrmeldungen vorliegen.

2. Größe (Carapaxlänge): Männchen ca. 9-15 cm, Weibchen bis etwa 23 cm, in der Regel aber eher 15-17 cm.

3. Beschreibung: Der ovale, leicht gewölbte Carapax ist hellbraun bis gräulich-schwarz. Typisch für diese Art sind drei ausgeprägte Längskiele, die der Schildkröte ihren deutschen Namen gegeben haben. Die Schildnähte sind vor allem bei den Jungtieren hell abgesetzt. Die 2.-5. Vertebralschilde sind breiter als lang. Das Plastron sowie die Brücke sind dunkelbraun bis schwarz gefärbt. Sie besitzen weiterhin helle, gelbliche Nähte. Der Kopf (bei Männchen eher klein und schlank) ist dunkelbraun bis grauschwarz. Hinter dem Auge befinden sich bei jungen und weiblichen Tieren mehrere gelbe Schnörkellinien, die den Hals hinunterführen. Das Trommelfell ist meist mit einem gelblichen halboffenen Schnörkel umringt. Hals, Weichteile, Gliedmaßen und Schwanz sind, je nach Alter und Geschlecht, oliv, braun oder grauschwarz, teilweise – je nach Geschlecht und Alter - ebenfalls mit Linien bzw. Punkten.

Abb. 1 Körperzeichnung von Chinesischen Dreikielschildkröten. Deutlich zu sehen ist der halb offene Kringel um das Trommelfell.


„Chinemys reevesii 01“ von Σ64 - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons
- http://commons.wikimedia.org/wiki/File:C…reevesii_01.jpg


4. Geschlechtsunterschiede: Männliche Tiere färben sich in der Regel mit dem Alter einfarbig grauschwarz (Altersmelanismus). Sie besitzen weiterhin einen längeren, dickeren Schwanz. Weibchen hingegen zeichnen sich durch ein leicht konkaves Plastron aus.

Abb. 2 Aufsicht "Männliche Chinesische Dreikielschildkröte". Die Zeichnung von Smit zeigt den Altersmelanismus - die Dunkelfärbung bei männlichen Tieren.


„ClemmysUnicolorSmit“ von Joseph Smit - Proceedings of the Zoological Society of London 1873 (web). Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons
- http://commons.wikimedia.org/wiki/File:C…nicolorSmit.jpg


5. Verbreitung: Südostchina (Provinzen Sichuan, Shaanxi, Hubei, Henan, Anhui, Zhejiang, Jiangxi, Fujian), Taiwan, Korea, Japan und Hongkong. Mittlerweile auch in den USA und Kanada ausgewildert.

6. Lebensraum: Der Lebensraum ist, wie das Verbreitungsgebiet, vielfältig. Die Art kommt in stehenden und leicht fließenden Gewässern, in Flüssen, Seen und Gräben mit Krautschicht und Pflanzenbewuchs am Ufer vor. Bevorzugt werden jedoch seichte Gewässer. Sie ist als Kulturfolger auch auf Reisfeldern und anderen künstlich angelegten Wasserstellen anzutreffen.

7. Lebensweise: Die Chinesische Dreikielschildkröte ist gerne im Wasser, ab und an auch an Land. Sie führt als tagaktives Tier ausgedehnte Sonnenbäder zum Beispiel auf aus dem Wasser ragenden Baumstämmen, Wurzeln und Steinen oder auch am Ufer durch. Von Natur aus sind sie Einzelgänger und gehen sich soweit wie möglich aus dem Weg.

8. Verhalten: Diese Art besitzt in der Regel ein ruhiges Wesen. Die Schildkröten sind sehr sensibel, ziehen sich bei Störung zurück und suchen Verstecke auf, die längere Zeit nicht verlassen werden. Sie sonnen sich gerne, möchten aber die Möglichkeit haben, sich von dem Sonnenplatz direkt ins Wasser gleiten zu lassen. Eine Gruppenhaltung mit Schildkröten der gleichen Art oder auch mit anderen Arten ist abzulehnen. Es kann zu Beißereien kommen, die tödlich enden können. Außerdem kann bereits Dominanzverhalten zu Stress führen, was von unerfahrenen Haltern oft nicht erkannt wird. Die Schildkröten dieser Art schlafen sowohl an Land als auch im Wasser. Weiterhin können sie, wie andere Arten auch, Erschütterungen über die Körperunterseite sehr gut wahrnehmen. Von verschiedenen Haltern gibt es Berichte, dass die Schildkröten sehr anhänglich werden. Eine Aggressivität gegenüber Menschen ist nicht bekannt, jedoch werden Finger gerne für Essbares gehalten und man sollte dementsprechend vorsichtig sein. Chinesische Dreikielschildkröten können hervorragend klettern und können durchaus als „Affen mit Panzer“ bezeichnet werden.

Abb. 3 und 4 Chinesische Dreikielschildkröten graben gerne. Hier ein 18 Jahre altes Männchen. Die Seitenkiele sind kaum noch erkennbar und die Schildkröte ist einfarbig grau-schwarz.





9. Fortpflanzung: Im Frühjahr nach der Winterruhe stößt das Männchen mit der Nase an das Weibchen oder führt Beißattacken durch. Dann werden Kopf und Vorderbeine des Männchens eingezogen und die Hinterbeine weit abgestellt, wobei weiter gegen den Kopf des Weibchens gestoßen wird. Bei einer Paarungsbereitschaft der weiblichen Schildkröte bleibt sie ruhig sitzen und zieht den Kopf ein. Ansonsten wird zurückgebissen bzw. sie flüchtet. Die Kopulation dauert 5-30 Minuten. Danach können nach 3-4 Wochen bis zu sechs Gelege im Abstand von 15-20 Tagen, maximal bis zu sechs Wochen mit 2-8 Eiern abgesetzt werden. Die Eier besitzen eine Größe von ca. 31-42 x 15-23 mm. Die Inkubationsdauer beträgt je nach Bruttemperatur ca. 63-99 Tage. Die Schlüpflinge sind ca. 22-29 mm groß und wiegen etwa 2-7 g. Die Jungtiere sollten nur im flachen Wasser gehalten werden mit Klettermöglichkeiten und weiterhin einem Sonnenplatz.

Abb. 5 Ein Ei der Chinesischen Dreikielschildkröten. Die Größe beträgt etwa zwischen 3,1-4,2 x 1,5-2,3 cm.


„An egg of Mauremys reevesii“ von 天行者 - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC-BY-SA 4.0 über Wikimedia Commons
- http://commons.wikimedia.org/wiki/File:A…ys_reevesii.jpg


10. Haltung: Aquaterrarium, Paludarium oder Zimmerteich jeweils mit großzügigem Landteil.

  • Schwimmbereich: Bei kleineren Tieren um die 9 cm mind. 100 x 40 x 40 cm, bei größeren mind. 120 x 50 x 40 cm. Wassertiefe für erwachsene Tiere so hoch wie möglich, aber Kletterhilfen, wie Wurzeln und Steine, anbieten. Manche Tiere müssen langsam an einen höheren Wasserstand gewöhnt werden, bei anderen funktioniert es sofort sehr gut. Die Tiere bevorzugen weiterhin Versteckmöglichkeiten unter Wasser. Die Wassertemperatur sollte ca. 20-28 °C betragen, wobei das Beheizen des Wassers nicht notwendig ist. Während der Überwinterung sollte die Wassertemperatur ca. 15 °C betragen (genaue Angaben zu Temperaturen und Jahresverlauf siehe „Überwinterung“ weiter unten). Es sollte außerdem ein großzügig dimensionierter Filter vorhanden sein. Ein Wasserwechsel von ca. 80 % sollte einmal pro Woche, maximal alle zwei Wochen, stattfinden. Auf keinen Fall sollte das Aquarium mit einer Aquarienabdeckung versehen sein, da sich dann eine hohe Luftfeuchtigkeit bildet, die die Tiere nicht vertragen. Bei der Einrichtung sollten Steine im Wasser nicht fehlen. Bei Chinesischen Dreikielschildkröten erneuern sich die Panzerplatten nicht am Stück, sondern in kleineren Partien. Die sich lösenden Plattenteile werden von den Tieren gerne an Steinen abgerieben.

  • Landteil: Festes externes Landteil, gerne 70 x 60 cm oder mehr. Das Landteil sollte mit Substraten wie Sand und Erde bzw. Gemischen daraus aufgefüllt sein, da Chinesische Dreikielschildkröten gerne graben. Auf dem Landteil können z. B. Höhlen aus Wurzel, Grassoden und anderen ungiftigen und ungespritzten Pflanzen als Verstecke angeboten werden. Hilfe zur Identifizierung von ungiftigen Zimmerpflanzen bieten zum Beispiel Schildkröten- bzw. Reptilienforen, die Webseite www.nymphensittich-wegweiser.net oder auch das Buch "Pflanzen im Terrarium" von Beat Akeret.

  • Sonnenplatz: Sonnenplatz mit Tageslicht in einer Ecke des Landteils mit UV B-Versorgung. Die Temperatur des Sonnenplatzes sollte ca. 40 °C betragen. Geeignet sind Wärme-UV B-Kombilampen, wie die Lucky Reptile Bright Sun Desert 70 Watt (ca. 30 cm Abstand zum Sonnenplatz) oder die Jetter Lightstorm 70 Watt. UV-Röhren sind nicht geeignet.

  • Eiablageplatz: Sollten weibliche Tiere gehalten werden, benötigen diese unbedingt einen Eiablageplatz, auch, wenn keine Männchen vorhanden sind. Dieser wird mit einer zusätzlichen Wärmelampe auf ca. 35-40 C° erwärmt, befindet sich ebenfalls auf dem Landteil und besteht aus Sand oder Sand-/Erdegemischen. Die Schildkröten sollten bis zu 15 cm tief graben können.

Da die Sommer in Deutschland zu unbeständig sind, ist von einer Freilandhaltung eher abzuraten. Jedes kurzfristige Umsetzen bedeutet für die Tiere Stress. Bei der Zimmerhaltung auf jeden Fall Zugluft vermeiden. Außerdem ist zu beachten, dass Chinesische Dreikielschildkröten hervorragende Kletterer sind. Entsprechend muss das Schildkrötenbecken ausbruchsicher gestaltet werden. Schon an Aquarienrückwänden oder Filterschläuchen können sie sich problemlos hochziehen. Noch ein ernstzunehmender Hinweis: Lassen Sie ihre Schildkröte niemals in der Wohnung herumlaufen. Das bedeutet für die Schildkröte ebenfalls puren Stress. Weiterhin können sich die Tiere so sehr schnell eine Lungenentzündung zuziehen. Sollten Sie den Eindruck haben, dass Ihre Schildkröte mehr Bewegungsfreiheit benötigt, erweitern Sie lieber die Anlage um ein größer dimensioniertes Landteil.

Abb. 6-8 Aquaterrarien können sehr unterschiedlich gestaltet sein. Hier eine Anlage unter einer Dachschräge. Die beiden Aquarien sind über eine AS-Sonneninsel miteinander verbunden. In das Landteil führt eine Nager-Weidenbrücke aus dem Tierfachgeschäft. Vorteilhafter ist es, wenn die Schildkröten vom Landteil direkt ins Wasser gleiten können, was hier nur auf der Sonnenterrasse gegeben ist. Ein besonderes Augenmerk lag auf der Ausbruchsicherheit.







11. Ernährung: Chinesische Dreikielschildkröten sind Gemischtköstler (omnivor), bevorzugen aber tierische Nahrung. Als Lebendnahrung eignen sich zum Beispiel Regenwürmer oder Schnecken, beides sehr calciumreich. Als pflanzliche Nahrung können z. B. Karotten, Löwenzahn und Romanasalat angeboten werden. Von anderen Salaten ist dringend abzusehen. Durch Fütterung mit Eisbergsalat können die Tiere sogar krank werden. Obst, wie Kiwi, nur sehr selten geben, da es immer ein ungünstiges Calcium-Phosphorverhältnis besitzt und häufig auch viel Zucker. Gute Ernährungstipps gibt es hier. Für eine ausreichende Calciumversorgung muss immer eine Sepiaschale im Wasser sein. Weiterhin können die Tiere nur im Wasser schlucken, weshalb auch dort gefüttert wird. Probleme bestehen meistens in einer zu häufigen und einseitigen Fütterung. Die Tiere wachsen vor allem in jungen Jahren zu schnell und es können Organschäden auftreten. Deshalb mit der Fütterung vorsichtig umgehen.

12. Überwinterung: Die korrekte Bezeichnung der Überwinterung von Chinesischen Dreikielschildkröten lautet „verminderte Aktivitätsphase“ (Winterruhe kann nur bei Säugetieren stattfinden, Winterstarre findet statt, wenn bei einer spezifischen Außentemperatur keine Aktivität mehr existiert, das tolerierte Temperaturminimum also überschritten wurde). In der verminderten Aktivitätsphase sonnen sich die Tiere für wenige Stunden und es wird auch - wenn auch nur wenig - Nahrung aufgenommen. Hierbei erfolgt die Überwinterung bei Temperaturen von 15 °C über zwei Monate, bei diesen Temperaturen liegt die Beleuchtungsdauer bei etwa sechs Stunden. In den Übergangszeiten (von etwa zwei Monaten vor und zwei Monaten nach der Überwinterung) empfehlen sich Temperaturen von 20 – 24 °C und eine Beleuchtungsdauer von 8 bis 10 Stunden. In den restlichen Monaten sollte die Beleuchtungsdauer bei mindestens 12 Stunden liegen und die Wassertemperatur um 25 bis etwa 28°C.

Quellen:

- Thomas Hofmann (2011): Die Chinesische Driekielschildkröte. Natur und Tier-Verlag. Münster.
- Maik Schilde (2004): Asiatische Sumpfschildkröten. Natur und Tier-Verlag. Münster.
- Petra Kölle (2002): Reptilienkrankheiten. Kosmos Verlag. Stuttgart.
- www.zierschildkroete.de.
- Erfahrungsberichte aus Foren.

Dieser Beitrag wurde bereits 24 mal editiert, zuletzt von »Adalie« (7. Januar 2016, 17:17)
Der Inhalt dieses Beitrags spiegelt lediglich die Meinung des Benutzers Adalie verfasst am Samstag, 14. Februar 2015, 22:52 Uhr wider, nicht aber die der Forenbetreiber, Administratoren und Moderatoren des Forums, welche sich hiermit ausdrücklich von diesem Beitrag distanzieren. Sollte dieser Beitrag Ihre Rechte verletzen bitten wir um Benachrichtigung


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