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Vorname: Kurt

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Sonntag, 24. Januar 2016, 17:18

Anleitung für die Starre im Kühlschrank

1.Der Kühlschrank und die benötigten Gerätschaften:
Bei den handelsüblich angebotenen Kühlschränken gibt es diverse Unterschiede und einiges zu berücksichtigen.

Technische Unterschiede - Arten der Kühlung:

Kompressor: Der gängige Haushaltskühlschrank. Es gibt ihn in vielen Größen und in allen Klassen. Mal lauter Mal leise, immer mit leichter Vibration. Relativ energiegünstig und auch preisgünstig

Absorber Kühlschrank: läuft vibrationsfrei und lautlos, ist etwa genauso stromhungrig wie der Kompressor. Wird meist als Minibar angeboten. Und oftmals wesentlich teurer, als der gängige Kühlschrank.

Thermoelektrisch: Mit Peletierelement. Kühlt vibrationsfrei, aber oft sehr laut wegen den Ventilatoren, sehr energieintensiv. Kühlung nur in begrenztem Umfang ,stark von der Außentemperatur abhängig und nur als kleiner Kühlschrank erhältlich. Er scheint mir zur Überwinterung nicht geeignet.

Allen gemeinsam sind die Klimaklassen. D.h. abhängig von der Umgebungstemperatur muss man die Klimaklasse auswählen.

Klimaklasse SN (Subnormal)
Umgebungstemperaturen von +10 °C bis +32 °C

Klimaklasse N (Normal)
Umgebungstemperaturen von +16 °C bis +32 °C

Klimaklasse ST (Subtropen)
Umgebungstemperaturen von +16 °C bis +38 °C

Klimaklasse T (Tropen)
Umgebungstemperaturen von +16 °C bis +43 °C

Die Temperaturreglung erfolgt über Thermostate, die ebenfalls verschieden aufgebaut sein können. Hier aber eher irrelevant. Kühlkombinationen sind eher nicht geeignet, am besten benutzt man einen Kühlschrank ohne Eis- und Gefrierfach!

Selbstverständlich sollte der Kühlschrank (wenn möglich) einzig den Schildkröten vorbehalten sein.

Weiterhin sind die Temperaturzonen im Kühlschrank zu beachten. Moderne Kühlschränke sind heute so konstruiert, dass sie in den einzelnen Ebenen andere Temperaturen aufweisen. Am wärmsten ist es im oberen Fach, am
kältesten direkt über dem Gemüsefach. Das Temperaturgefälle kann bis zu 6° ausmachen.

In den letzten Jahren gibt es bezahlbare Weinkühlschränke auf dem Markt. Der Vorteil: Sie sind geräumig, vor allem in der Tiefe, halten wesentlich besser die Temperatur und das T-Gefälle ist max. 2°C. Sie haben kein Eisfach und oft eine zuschaltbare Luftzirkulation. Diese sorgt für eine bessere Temperaturgleichheit und wirkt ganz entschieden der Schimmelbildung vor. Meist gibt es keine festen Fächer sondern Holzroste, deren Höhe man frei wählen kann.

2. Die Überwinterungsbox:

Am besten sind Plastikboxen oder –wannen. Es gibt sie ein allen Größen,
ob transparent oder farbig - je nach Geschmack des Halters. ( Mein Tipp Blau für die Männchen Rosa für die Weibchen )

Wichtig ist dass die Boxen der Größe der Schildkröten angepasst sind. Sie sollten so tief sein, dass sich die Schildkröten ganz in das eingebrachte Substrat eingraben können. Außerdem sollten sich die Tiere auch umdrehen können. D.h. die Breite der Box muss mind. der Länge der Kröte entsprechen. Wenn man einen Deckel benutzt, müssen sowohl in den Deckel als auch im oberen Rand der Box mehrere Luftlöcher gebohrt werden. Eigentlich ist ein Deckel nicht notwendig, es sollte der Schildkröte allerdings nicht möglich sein, über den Rand der Box zu klettern. Deckel halten den Inhalt der Box länger feucht, sorgen aber auch für ein ungesundes Mikroklima.

Holz ist als Material für Überwinterungsboxen im Kühlschrank nicht geeignet.

3. Das Substrat:

Am Substrat scheiden sich die Geister. Wahrscheinlich wird darüber zu diskutieren sein. Es gibt enorm viele unterschiedliche Meinungen und Anwendungen. Ich ziehe hier die Empfehlung aus meiner Umfrage. http://www.testudoforum.de/wbb/index.php…dbad57e8f58ceb6

Aus dieser Umfrage kristallisiert sich ein Favorit heraus. Die ungedüngte Gartenerde, am besten mit etwas Maulwurfserde gemischt, ist das einfachste anzuwendende Substrat. Es ist natürlich und hat beste Eigenschaften. Eine Untermischung von Kokosfaser ist eher ungünstig. Die Erde sollte angefeuchtet sein, so wie sie im Garten auch in 20cm Tiefe ist. Also nicht zu trocken und nicht zu nass.
Steht keine Gartenerde zur Verfügung kann man auf das Schildkrötenspezial Substrat von Floragard zurückgreifen.

Gänzlich ungeeignet sind reine Kokosfaser, Rindenmulch, Holzschnipsel, oder Blumenerde.

4. Die Abdeckung (der starrenden Schildkröten):

Auf alle Fälle sollte eine Abdeckung erfolgen. Einfach zu besorgen und kostenlos sind Buchenblätter, mit denen man die Schildkröten locker bedeckt. Man kann die Blätter auch etwas anfeuchten, dann liegen sie besser. Nicht zu nass machen! (Schimmelbildung)

Eine weitere Möglichkeit der Abdeckung ist Spaghnummoos, das zuvor angefeuchtet wird. Nachteile sind der niedrige PH Wert und die schlechte ökologische Bilanz.

5. Das Vorgehen und was zu beachten ist:

Ganz wichtig, bevor die Schildkröten umsiedeln, ist ein mehrtägiger Probelauf des Kühlschrankes. Es werden Thermometer im Kühlschrank angebracht und die Temperaturen (am besten auf den verschiedenen Ebenen) gemessen. Die Temperaturschwankungen sollten bekannt sein. Die tiefste Temperatur sollte 3 Grad nicht unterschreiten. Zur Sicherheit sollte ein externer Thermostat Pflicht sein. Etwa der UT 200. Wie dieser eingestellt wird ist hier an anderer Stelle dokumentiert. Gebrauch eines UTs/ Kühlschranküberwinterung.

Dann kommen alle vorbereiten Boxen in den Kühlschrank. Auf jeder Ebene sollte mindestens ein Temperaturfühler in eine Box gesteckt werden. Jetzt werden die Boxen herunter gekühlt bis sie gleichmäßig durch gekühlt sind. Am Anfang würde ich sie erst mal auf 6 Grad kühlen.

Nach dem sich im Freiland die Schildkröten innerhalb einiger Wochen selbst auf die Starre vorbereitet- und verbuddelt haben, werden sie in die vorbereiteten Boxen umgesiedelt und mit Laub oder Moos bedeckt.
Man kann sie einfach auf die Erde in der Box setzen oder auch in eine kleine Kuhle. Gut ist es, wenn man noch kontrolliert, ob sich eine Verletzung findet und das Gewicht vermerkt.

Das Überführen in den Kühlschrank geschieht am besten dann, wenn die Temperatur draußen annähernd der Temperatur im Kühlschrank entspricht, oder man kann die Temperatur des Kühlschrankes auf die Außentemperatur angleichen und später dann herunterfahren. Ich mache das gerne Abends damit die Schildkröten nicht von der Sonne gestört werden.

Wenn in den ersten Tagen Scharrgeräusche u.ä. gehört werden, ist das nicht weiter tragisch, aber man muss jetzt kontrollieren ob die Tiere ruhig bleiben und nicht auf dem Substrat sitzen, oder gar aus den Boxen klettern. Die Temperatur kann man jetzt auf 4-5°C fahren, meist tritt dann schnell Ruhe ein.

Die Tiere sollten Kontakt zum Substrat haben, einige buddeln sich nicht ein, andere sind tief vergraben, alles akzeptabel. Rumlaufen ist allerdings nicht gut.

Diskussionspunkte

Die Luftfeuchtigkeit:

Einige Halter stellen extra Wasserschüsseln auf oder versuchen auf andere Weise eine hohe Luftfeuchtigkeit zu erzielen. Bisher konnte ich nicht in Erfahrung bringen, warum die Luftfeuchtigkeit im Kühlschrank höher sein sollte als bei der Freilandüberwinterung. Deswegen mach ich das nicht. Die Luftfeuchtigkeit (relativ) ist in meinem Kühlschrank ohne weitere Maßnahmen bei 70%. Hohe Luftfeuchtigkeit begünstigt die Schimmelbildung und teilweise kann sich Wasser an der Rückwand des Kühlschrankes kondensieren und vereisen. Deswegen auch die Boxen nie an die Rückwand des Kühlschrankes stellen. Es ist schon vorgekommen, dass trotz guter Temperaturen im Kühlschrank, Schildkröten teilweise eingefroren waren, weil sie zu nahe an der Rückwand standen.

Konstante Temperaturen:
Oft werden Hohlräume des Kühlschrankes mit Flaschen ausgefüllt um die Temperatur konstanter zu halten. Im Habitat ist die Starre Temperatur auch nicht konstant. Schwankungen von bis zu drei Grad stören mich im Kühlschrank überhaupt nicht. Man kann von Zeit zu Zeit die Boxen in ihren Ebenen austauschen, oder die Temperatur höher oder tiefer einstellen. Bisher gibt es keine Untersuchungen ob das irgendeinen Einfluss auf die Starre oder die Gesundheit der Tiere hat.

Luftzirkulation:
Bei Kühlschränken mit Zirkulation kann man die Temperaturen der verschiedenen Ebenen angleichen, allerdings trocknet die Abdeckung (Laub oder Moos) etwas schneller. Ein Vorteil der Zirkulation ist eine sehr wirksame Prophylaxe gegen Schimmelbildung.

Sauerstoffzufuhr:
Die Intervalle wie oft die Kühlschranktür geöffnet werden soll ist individuell verschieden. Man sollte beachten: Je nach Standort und Umgebungstemperatur gelang bei jedem Öffnen warme Luft (kondensiert an der Rückwand) und evt. Mikroorganismen in den Kühlschrank. Wenn der Kühlschrank im kalten Keller steht ist das sicher nicht so gravierend, als im warmen Wohnzimmer.

Schimmelbildung:
Die meisten Schimmelarten haben zwar ihr Wachstumsmaximum bei etwa 18-25°C, wachsen aber oft noch bis etwa 0°C weiter. Zwar erheblich langsamer als bei höheren Temperaturen, aber sie wachsen. Schimmel lässt sich recht gut mit einer Lösung von Alkohol (70%) und Teebaumöl bekämpfen. Man kann die leeren Boxen damit besprühen und auch den Kühlschrank aussprühen. Oft ist der Schimmel damit auf viele Jahre verschwunden.

Mikroorganismen:
Ähnlich wie bei Schimmel wachsen Bakterien wesentlich langsamer bei niedrigen Temperaturen, viele wachsen überhaupt nicht bei 5 °C und sind damit nicht pathogen. Einige wenige scheinen trotzdem sehr langsam zu wachsen und im Kühlschrank zu überleben. Dort brauchen sei aber deutlich mehr Zeit als bei wärmerer Umgebung um pathogen zu wirken. (Deswegen werden Lebensmittel in Kühlschränken gelagert und nicht in der prallen
Sonne.)

Tatsache ist, und das haben viele Untersuchungen gezeigt, dass Bakterien und Schimmel im Kühlschrank ausschließlich vom Menschen eingeschleust werden. Darum möglichst keinerlei Lebensmittel o.ä. im Schildkrötenkühlschrank.

6. Kontrollen, Vorsichtsmaßnahmen und Sonstiges:

Auch hier gibt es großen Spielraum und Variationen. Die Temperatur kann man jeden Tag kontrollieren, solange die Anzeigen außerhalb des Kühlschrankes sind.

Ab und zu (einmal die Woche) die Tür aufmachen, nachsehen ob alle in den Boxen sitzen, das ist in einigen Sekunden getan. Ich mach z.B. jeden Tag ganz kurz die Tür auf, meine Kellertemperatur ist aber auch nur 14°C.

Viele Halter wiegen ihre Tiere in der Starre. Eine enorme Gewichtsabnahme kann sicherlich problematisch sein und kann dann hier im Forum diskutiert werden. Nimmt eine Schildkröte ab, ist die Ursache meist zu trockenes Substrat. Wenn man die Schildkröte aus den Boxen genommen hat kann man auch schnell den Panzer auf evtl. Verfärbungen und weitere optische Veränderungen (Nase trocken, Augen normal etc.) kontrollieren.

Anfänger wiegen oft jede Woche, ( hab ich auch so gemacht vor lauter Angst ) aber mit der Zeit wird man ruhiger. Ich wiege und kontrolliere die Tiere usw. nach 8 Wochen, denn das ist lt. meiner Umfrage http://www.testudo-forum.de/wbb/index.ph…91b7bbb82c18aa7 ein kritischer Zeitpunkt.

Die Kontrolle der Substrate (Feuchte und Aussehen) kann dann ebenfalls erfolgen und es muss gegebenenfalls mit kaltem Wasser nachgefeuchtet werden. Je nach Länge der Starre noch ein, oder zweimal kontrollieren.

7. Das Aufwachen nach erfolgter Starre:

Meist reagieren die Schildkröten auf die Jahreszeit und den Frühling, sie werden unruhig, im Kühlschrank entsteht Bewegung. Warum sie so reagieren und woher sie das alles wissen, ist mir ein Rätsel.

Ist es soweit, dass die Starre beendet wird, stell ich morgens den Kühlschrank auf 8 °C, sind abends alle Boxen durchgehend erwärmt, stell ich höher auf 12 °C. Am nächsten Tag kommen sie in einen abgedunkelten
Kellerraum bei ca. 16°C. Dabei benutze ich große Mörtelwannen, in die auch das Substrat aus den Boxen hinein kommt. Abends setzte ich die Tiere in ihre Schlafhäuser im Frühbeet oder Gewächshaus, damit sie morgens in ihrer gewohnten Umgebung aufwachen können. Am nächsten Tag sind sie fit und bekommen Futter und Wasser. Die Wärmelampen bleiben noch einen Tag aus, dann fang ich mit 4 Stunden Wärme an. Ich denke aber, jeder Halter wird hier aber etwas anders vorgehen.

Eine andere Methode wäre die Schildkröten Ende Februar/ Anfang März in ihre Schlafhäuser in FB oder GW zu verbringen und mit Laub ab zu decken. Sie könne dann entscheiden wie sie aufwachen wollen. Dabei sollte die Deckelheizung funktionieren.

Ich gehe bei dieser Beschreibung der Überwinterung davon aus, dass die Prozeduren zur Starrevorbereitung bekannt sind und auch beachtet wurden.

Fazit: Ideale Kühlschranküberwinterung wäre meines Erachtens:

- Weinkühlschrank mit Zirkulation (zu schaltbar) Klimaklasse SN
- Standort Keller
- für jede Box ein Thermometer, ein Thermometer in der Mitte des Kühlschrankes
- UT 200 o.ä. alle wenn möglich als Funkthermometer
- Große Boxen mit Garten und Maulwurfserde, leicht angefeuchtet
- Abdeckung Buchenblätter
- Spätestens nach 8 Wochen erste Kontrolle, dann Kontrollen je nach Nervenkostüm des Halters[/font][/size][/font][/size]
Signatur von »Kurti« "Die Zeit, die du deiner Rose geschenkt hast, sie macht deine Rose so wichtig."Antoine de Saint-Exupery
CAVE: Handy frißt Hirn

Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »Kurti« (24. Januar 2016, 17:39)
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